Microfinance als Portfoliobaustein hat sich bewährt

1998 wurde mit dem Dexia Microcredit Fund der erste kommerzielle Mikrofinanzfonds im Umfeld der Vereinigten Nationen in Genf auf den Markt gebracht. Erstmals konnten Anleger einfach und durch die breite Streuung sicher in Kredite für Kleinstunternehmen investieren. In der Zwischenzeit hat sich diese Anlageklasse rasant entwickelt. Immer mehr Vermögensverwalter setzen Microfinance als strategischen Baustein in ihre Asset Allocation ein. Das weltweit investierte Volumen hat sich in den letzten fünf Jahren verdoppelt. Die Schweiz spielt dabei ganz vorne mit. Rund ein Drittel der weltweit investierten Gelder werden in der Schweiz verwaltet. Auch Liechtenstein hat sich dem Thema früh gewidmet. Bereits 2006 startete an der Universität Liechtenstein das Forschungsprojekt “Microfinance - Möglichkeiten und Grenzen einer neuen Anlagenklasse“. Daraus entstand im November 2008 mit EMF Microfinance Fund der erste Mikrofinanzfonds in Liechtenstein. Microfinance hat sich in den letzten Jahren bei Investoren als festverzinsliche Anlageklasse etablieren können. Zum einen, weil das Verständnis für den Wert einer stabilen Rendite gekoppelt mit sozialem Engagement deutlich zugenommen hat. Zum anderen aber auch, weil im anhaltenden Niedrigzins-Umfeld eine attraktive Rendite über dem Geldmarktzins bietet.

„Impact“ bei Investoren immer wichtiger

Die Wirkung, der sogenannte „Impact“ wird bei den Anlegern bei ihren Investitionen immer wichtiger. Microfinance als Teil des Überbegriffs „Impact Investing“ trägt einen wichtigen Teil zur weltweiten Armutsbekämpfung bei. Daneben werden auch weitere positive soziale Effekte erzielt. Der EMF Microfinance Fund Beispielsweise unterstützt neben der Armutsbekämpfung zusätzlich 10 weitere, der insgesamt 17, Nachhaltigkeitsziele der UNO -die sogenannten Sustainable Development Goals (SDGs). Es sind die Nachhaltigkeitsziele, welche die Mitgliedstaaten bis 2030 erfüllen sollen. Dieser Social Return wird nicht nur angestrebt, sondern auch gemessen und den Investoren aufgezeigt. Das unterscheidet Mikrofinanz und das gesamte Impact Investing etwa von nachhaltigen Anlagen wie ESG oder Social Responsible Investing. Das weltweit veranlagte Vermögen in „Impact Investing“ hat sich laut einer Studie von BlueOrchard 2017 gegenüber dem Vorjahr verdoppelt.

Diversifikation im Portfolio

Mikrofinanzanlagen machen sich als Baustein im Portfolio gut. Ob Renditeüberlegungen im Vordergrund stehen oder eine soziale Motivation überwiegt – Investitionen in Microfinance versprechen einen wichtigen Vorteil: Diversifikation. Die Korrelation mit anderen Anlageklassen ist sehr niedrig. Die Forschungsergebnisse der Universität Liechtenstein brachten klar zum Vorschein, dass die Beimischung von Microfinance in ein diversifiziertes Portfolio die risikoadjustierte Rendite erheblich erhöht. Die Grundaussagen der Untersuchung stimmen auch heute noch. Dies zeigt sich speziell auch in Krisenzeiten. Ein gutes Beispiel liefert 2018. Im Vorjahr gingen so viele Anlageklassen in die Knie wie selten zuvor. Mikrofinanz verbuchte ein super Jahr. Der EMF Microfinance Fund konnte mit einer Rendite USD +4.05% eines der besten Jahre markieren (siehe Grafik). Zudem war die Rendite seit Lancierung des Fonds jedes Jahr positiv. Ein Grund ist die sehr tiefe Kreditausfallrate. Gemäss dem Impact-Manager BlueOrchard liegt diese historisch bei rund einem Prozent. Die Gründe für die zuverlässigen Rückzahlungen sind vielfältig. Die Kreditnehmer sehen den Kredit als eine der wenigen Chancen, um ein gesichertes Einkommen zu generieren und eine nachhaltige Existenz aufzubauen.

Politische Einflussnahme als grösstes Risiko

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Politik den Fondsmanagern mehr Sorge bereitet als die Kreditnehmer. So hat beispielweise 2010 der Staatschef von Nicaragua verkündet, dass die Bauern ihre Kredite nicht zurückzubezahlen brauchten, wenn er die Wahl gewinne. Solche politischen Risken kann man schwer vorhersagen. Umso wichtiger ist ein gründliches Risikomanagement der Fondsmanager sowie eine breite Länderdiversifikation. Mikrofinanzfonds sind in der Regel in über 50 Entwicklungsländern investiert. Ein einzelner Ausfall kann dadurch gut abgefedert werden. Gute Kontakte und ein lokales Netzwerk sind nebst der klassischen Makroanalyse ein zusätzlich wichtiges Werkezeug bei der Beurteilung von politischen Risiken. Eine lokale Vertretung in den jeweiligen Ländern und gute Kontakte zu Regierungen sind dabei entscheidend, um negative Entwicklungen möglichst früh zu erkennen.

Das Potenzial ist noch gross

Trotz des starken Wachstums ist die Nachfrage an Finanzierungen in den Volkswirtschaften mit sehr tiefem Einkommen ungebrochen. Die Bevölkerungszahl dieser Länder nimmt stetig zu. Die Uno hat zudem berechnet, dass fast 900 Mio. Menschen durch den Klimawandel (Naturkatastrophen) gefährdet sind, in Armut zu geraten. Um die 17 SGDs bis 2030 einzuhalten sind jährliche Investitionen von USD 3.90 Bio. notwendig. Stellt man diese Zahl der aktuellen jährlichen Investitionen gegenüber, entsteht ein Investment-Lücke von USD 2.50 Bio. Es bleibt also noch viel zu tun!

Reto Möhr
Mikrofinanz Spezialist bei EMF
Reto Möhr war über viele Jahre für die LiechtensteinischeLandesbank AG tätig. Sein Fokus lag auf der Entwicklung von neuenFinanzprodukten für den mittleren Osten und Zentral Asien. Nach einem Wechselzu Thalmann & Verling Vermögensverwaltung fokussierte er sich stärker aufden Bereich von nachhaltigen und Wertorientierten Investments inklusiveMikrofinanzierung. Er zeigte stets Interesse an einem positiven und direkten Impactauf die Gesellschaft. Heute ist er für Enabling Microfinance tätig und kümmertsich um Business Development und den Vertrieb. Als Initiator von EMF &Friends hat er ein Format für nachhaltigkeitsinteressierte in und umLiechtenstein geschaffen.
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